Barock, christlich (ev.), Deutsch, Deutschland, Grabinschriften, Thüringen
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Epitaph für Christiane Sophia Rhaesa (1724)

Denckmal
Tit. Herrn Mart. THEODor RHAESAE
der Balley Thüringen Amtmannes und
Tit. Fr. Marien Sibyll. geb. Reichardt
eintziger Jungfr. Tochter
Christianen Sophien
geb. den 10. Nov. 1719. gest. den 7 Märt 1724

Kaum bricht die Rose auf
Setzt sich der Käfer drauf
Drum nahm Gott dieses Rößlein an
Damit es nichts beschmeißen kan.

Jena-Zwätzen, Kirche St. Marien

Kommentar:

Eine besonders schöne Inschrift, die in typisch barocker Weise ein starkes Bild ergreift, um den Tod eines geliebten Menschen zu deuten. Weit entfernt von den Formalismen, die zur barocken Epigraphik durchaus gehören, stellt dieser Text ganz ohne Zweifel eine individuelle, einzigartige Äußerung dar. Dass er gleichwohl mit traditionellen Motiven der Trauerkultur arbeitet, ändert daran nichts, ganz im Gegenteil: die Rose als Symbol für das junge Leben, die oft als gebrochene Blume auf Grabsteinen dargestellt wird, ist ein gängiges, gern verwendetes Trauersymbol. Die Vorstellung, dass die Verstorbene Schutz vor den Gefahren des Lebens gefunden habe, gehört zu den weit verbreiteten Aussagen barocker Grabinschriften und ist Ausdruck der zeitgenössischen Auffassung von Tod und Leben.

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