Barock, christlich (ev.), Deutschland, Grabinschriften, Latein, Thüringen
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Grabmal der Familie Schramm-Sattler

Familie Schramm-Sattler, Buttstädt, Alter Friedhof

Familie Schramm-Sattler, Buttstädt, Alter Friedhof

VT. CVLTV. VT. LVCTV.
HONESTO. MODESTO.
VENERABILE. NUMEN. VEREARE.
MVNVS. VNVM. SI. BIS. SI. VIS. RETRO. MEMOR. TER
SIS.
VIRORVM. BEATORVM. MATRONARVM. TER. FELICIVM.
PATRVM. MERITORVM. MATRVM. MORATARVM. INFANTVM. CARORVM.
VITAE. INTEGROS. INVITA. INVIDIA. FIDOS. VIDEAS. NON. FVTILES. LVCTV.
SED. VTILES. FRVCTV. PIETATIS. HONESTATIS. MODESTIAE.
IVRE. MORE. NATVRA. DECET. HOMINES. HVMANITER. HVMARE.
FVNERA. DECORARE. MVNIA. MVNDI. SVNT. COMMVNIA.
IVCVNDVM. AVTEM. POLI. IVVAT. SOLI. MVNDO. MAGIS. MAXIMO.
AT. VT. ET. ROMA. NON. A. MORTE. TVTA.
ITA. FATO. OBNOXIA. MORTALIVM. VITA. INITIVM. MEDIVM. TAEDIVM. FINIS FUNUS.
VITIVM.
MORS. CERTA. FORS. INCERTA. SORS. COECA. HABET. HORAS. NON. MORAS. NEC ORAS.
MALORVM META EST NON METVENDA MENTE BONORVM MVTAT STATVM
SI ROBUR ANIMO OMNIA RUBORIS ROSA IBI TIBI ASOR …
VERVM NEC LAETI LETHO FERI VERO SVNT MORES DVO VERMIS EST DIE DEIN EN …
SEPS SAPIENTI SAT LERNAEA TANDEM POST SEPTICA SPES …

Buttstädt, Alter Friedhof
Grabmal der Familie Schramm-Sattler

Übertragung:

Kommentar:

Eines der auffälligsten Grabmale in Buttstädt ist das der Familie Schramm-Sattler. Raumgreifend flankieren zwei Tugendstatuen auf eigenen Postamenten das Grabmal, dessen bildhauerische Gestaltung die Schmalseite eines aufgebahrten, aber bereits geschlossenen und reich geschmückten Sarges imitiert. Man findet sich in einer dramatischen Inszenierung wieder: Gleich wird sich der Trauerzug in Bewegung setzen, mit dem Betrachter des Grabmals an der Spitze, unmittelbar hinter dem Sarg. Auf dem Weg wird er die Eulogien der Inschrift lesen, die die Toten preisen, und ihre Mahnungen, über Andenken (cultus) und Trauer (luctus) nicht Gottesfurcht und Frömmigkeit zu vergessen. Der unbekannte Verfasser lässt kaum einen rhetorischen Zierrat aus, die Wortspielereien, Palindrome und Assonanzen manövrieren den Text durchaus über die Grenze zur Unversteh- und Unübersetzbarkeit. Kryptisch sind insbesondere die letzten vier Zeilen, die zudem nicht vollständig erhalten sind. Darüber hinaus ist anzunehmen, dass der Text durch Steinmetzfehler zusätzlich verkompliziert worden ist; vgl. z. B. die Reihe INITIVM. MEDIVM. TAEDIVM. FINIS FUNUS. VITIVM., in der VITIVUM vermutlich an die zweite Stelle gehört, ausgelassen und am Ende „nachgetragen” wurde.

Umfangreiche genealogische Angaben enthalten schließlich die Inschriften der Gebindemedaillons und der Postamente der Tugendstatuen. Sie können hier aus Platzgründen nicht dokumentiert werden.

Herzlichen Dank an Dr. Edgar Siedschlag für seine Hinweise zu Text und Übersetzung!

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