Barock, christlich (ev.), Deutschland, Grabinschriften, Latein, Thüringen
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Grabmal für Gottlob Kaufmann (1730)

Grabmal Gottlob Kaufmann, Buttstädt, Alter Friedhof

Grabmal Gottlob Kaufmann, Buttstädt, Alter Friedhof

SISTE VIATOR GRADVM
ET ECCE
IN HAC FOSSA QVIESCVNT OSSA
VIRI IVVENIS CLARISSIMI ET DOCTISSIMI
DOMINI GOTTLOB KAUFFMANN
ADVOCATI IMMATRICVLATI SAXONIAE
CELEBERRIMI
QVI
NEMINI VNQVAM NISI HAC MORTE
INIVRIAM FECIT;
LICET IN HAC VITA IN LITE VERSATVS
NUNC TAMEN VICIT SINE OMNI LITE
IN CAVSSA PROPRIA
CORAM TRIBVNALI DIVINO CHRISTO ADVOCATO
SIC ACTA FELICITER SUNT VICTA,
CVM DEBITVM NATVRAE SOLVERET
MORTE QVIDEM PRAEMATVRA
d. 14. SEPT. 1730
FINITIS ANNIS XXVIII
ABI VIATOR
TVAMQVE CAVSSAM ALIOQVANDO SIC
AGERE DISCE:

Buttstädt, Alter Friedhof
Grabmal für Gottlob Kaufmann (1730)

Übertragung:

Halt an, Wanderer, den Schritt und siehe: In diesem Grab ruhen die Gebeine eines jungen Mannes, des sehr vornehmen und gelehrten Herrn Gottlob Kauffmann, eines sehr berühmten, in Sachsen eingetragenen Anwalts, der nie jemandem ein Unrecht zufügte außer durch diesen Tod. Mag er auch in diesem Leben mit Rechtsstreit befasst gewesen sein, hat er nun ohne jeden Rechtsstreit gewonnen, in eigener Sache, vor dem göttlichen Gericht, weil Christus sein Anwalt war: So sind seine Taten glücklich übertroffen worden, als er der Natur die Schuld bezahlte durch seinen allerdings verfrühten Tod am 14. September 1730 im Alter von 28 Jahren. Geh, Wanderer, und lerne, auch deinen Prozess dereinst so zu führen!

Kommentar:

Auch dieses Grabmal ist ein typisches Werk des Hochbarock, sowohl in seiner bildhauerischen Gestaltung als auch in der Art seiner Inschrift. Der Anwaltsberuf des Verstorbenen wird theologisch auf seine Verteidigung durch Christus im göttlichen Gericht bezogen: eine vielschichtige und mit rhetorischem Schliff vorgetragene Proklamation der Lehre von der Erlösung durch den Kreuzestod Christi. Auch die direkte Anrede des „Wanderers“ ist ein typisches Stilmerkmal barocker Grabinschriften. Der figürliche Schmuck des Grabmals bezieht sich ebenfalls allegorisch auf den Verstorbenen: Zur Linken und Rechten sind die Tugendfiguren der Sapientia (Weisheit) und der Humilitas (Güte) erhalten, von der Iustitia (Gerechtigkeit) an der Spitze des Steines gibt es nur noch den Sockel und die Füße.

Herzlichen Dank an Herrn Dr. Edgar Siedschlag für Hinweise zu Text und Übersetzung!

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