Baden-Württemberg, Deutsch, Grabinschriften, Hebräisch, jüdisch
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Grabmal für Sophie Rosenfeld (1864)

פ“נ
שרה בת … ראזענפעלד
מתה יום כ‘ כסליו ת’ר’כ’ה‘ לפ“ק
היר אם גראב זטעהען דיא
דיינען
בעטריבט זטעהען זיא דא
אונד וויינען
צו פריה שלוג דיר דיא
טאדעזזטונדע
טיף אים הערצען נאגט
דיא הערבע וואונטע

Sophie Rosenfeld
geb. den 6ten April 1860

Horb a. N.-Mühringen, jüdischer Friedhof

Umschrift:

Hier ist begraben: Sara, Tochter des … Rosenfeld. Sie starb am 20. Kislew 625 nach der kleinen Zählung. Hier am Grab stehen die Deinen, betrübt stehen sie da und weinen. Zu früh schlug Dir die Todesstunde, tief im Herzen nagt die herbe Wunde.

Kommentar:

Sara Rosenfelds Grabstein ist ein Zeugnis, wie sich im 19. Jahrhundert jüdische und christliche Trauerkultur vielerorts überlagerten, ja ineinander verwoben waren. Der Text ist – abgesehen von der einleitenden Formel פ“נ und den Angaben zum Todesdatum und zur Genealogie – vollständig in deutscher Sprache verfasst, aber mit hebräischen Buchstaben geschrieben. Der bürgerliche Name des verstorbenen Mädchens und ihre Lebensdaten nach dem christlichen Kalender sind wiederum in Frakturschrift eingemeißelt. Das Gedicht, das den größeren Teil der Inschrift ausmacht, findet sich auf insgesamt drei Grabsteinen der jüdischen Friedhöfe von Mühringen und Rexingen, heute Teilorte der Stadt Horb am Neckar. Vermutlich handelt es sich um den Trauertext eines lokalen Verfassers.

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