Baden-Württemberg, Deutschland, Grabinschriften, Hebräisch, jüdisch
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Grabstein für Juspele ben Meir / Josef Guggenheimer

פ’’נ
שמונים שנה היה
יוספל ורבים קבר
כעשיר כעני כעת
יאמר משל הקדמומני
כורה שחת בה יפול
יוסף בן מאיר נ’ עש’’ק
י’’ד אייר תקצ’’ז לפ’’ק
תנצב’’ה

Übersetzung:

Hier liegt begraben: Achtzig Jahre war Juspel, und viele hat er begraben, ob reich, ob arm. Jetzt kann man das alte Sprichwort sagen: Wer eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Josef, Sohn des Meir. Er verschied am Vorabend des Heiligen Schabbat, 14.Ijjar 5597 (19. Mai 1837) nach der kleinen Zählung. Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens!

Kommentar:

Die Grabinschrift für Juspel ben Meir (Josef Guggenheimer) ist irritierend: zeugt es nun von einer besonders merkwürdigen Art von Humor, einem Totengräber ausgerechnet dieses Sprichwort auf den Grabstein zu schreiben, oder ist es eine besonders schöne Stilblüte? Weder noch! Dass der Verfasser dieser Inschrift ein Bibelzitat (Proverbia 26,27) auf den Beruf des Verstorbenen bezieht, ist ein Ausweis tiefer Volksfrömmigkeit, die zu jedem Moment des menschlichen Lebens einen passenden biblischen Bezug sucht.

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