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Neuer Wegweiser über den Historischen Friedhof zu Weimar


Titel-Abb. Historischer und Neuer Friedhof in Weimar, BroschüreDer Friedhof der Stadt Weimar, der sich südlich des einstigen Frauentores bergan erstreckt, gehört zu den sehenswertesten Orten in der an historischen Stätten gewiss nicht armen Klassikerstadt. Sein im Jahr 1818 eingeweihter historischer Teil öffnet dem kundigen Besucher mit vielen aufwändig gestalteten Erbbegräbnissen ein Fenster in die Geschichte – nicht nur, aber eben auch der Goethezeit. Und der Ausblick aus diesem Fenster ist ebenso ergiebig wie schön und anrührend, auch wenn sich der Friedhof gegenwärtig an vielen Stellen in einem beklagenswerten Zustand zeigt.

Dass die Geschichte Weimars aber mit der Bestattung Goethes in der großherzoglichen Gruft und der Umbettung Schillers (oder was man für Schiller hielt) nicht endete, demonstriert gerade dieser Friedhof eindrucksvoll. Hinter der berühmten fürstlichen Grablege, west-östlicher Ort der Sepulkralkultur, an dem sich deutscher Klassizismus und russisch-orthodoxe Kirchenbaukunst aneinander schmiegen, weitet sich der bis heute genutzte Neue Friedhof, der in seinem Grabmalbestand kaum weniger bedeutend ist als sein älterer Vorläufer, und seinerseits die Geschichte Weimars in ihrer vollen Weite und Ambivalenz repräsentiert.

Bei der Erkundung des weitläufigen Areals hilft seit einigen Tagen eine neu erschienene Broschüre, die vom „Arbeitskreis Weimarer Friedhofskultur“ im Verein „Grüne Wahlverwandtschaften e. V.“ herausgegeben wurde. Das schmale, 56 Seiten umfassende Heft stellt eine Auswahl derjenigen Grabstätten vor, die in die Denkmalliste des Landes Thüringen aufgenommen worden sind und sich entweder durch ihre besondere kunstgeschichtliche Bedeutung auszeichnen oder an herausragende Persönlichkeiten erinnern.

Natürlich bietet eine solche Auswahl immer reichlich Angriffsfläche für die Kritik, selbstverständlich fehlen nicht einzelne, sondern die meisten Grabmale, die auch der Erwähnung und kurzen Porträtierung wert gewesen wären, sicher ist der gewählte Ausschnitt durchaus subjektiv – abgesehen davon, dass die Herausgeber all das bereitwillig einräumen, wäre dem Heftchen mit seiner überaus gelungenen Gestaltung auch wirklich Unrecht getan. „Praxistauglich“ durch sein jackentaschenkompatibles Format, Orientierung stiftend durch ein übersichtliches Layout und zahlreiche Pläne, gut illustriert und mit kompakten Informationen versehen erfüllt es seinen Zweck vollkommen und ermöglicht einen ertragreichen Rundgang über den Friedhof, der nicht an Goethes Sarg stehenbleibt, sondern weitere Räume erschließt.

Dass man für eine Publikation fast sechs Euro bezahlen muss, die man in ähnlich guter Aufmachung von manch einer Tourismusstelle kostenlos nachgeworfen bekommt, mag im ersten Moment erstaunen; da der Erlös des „Wegweisers“ aber in die Arbeit des herausgebenden Vereins fließt, der sich u. a. um die Erhaltung des großartigen Grabmalbestandes kümmert, ist der Preis mehr als gerechtfertigt. Wie viel es zu tun gibt, kann jeder leicht ermessen, der auf seinem Weg über den Friedhof einmal die Nase aus dem Heft erhebt. So ist dem neuen Weimarer Friedhofs-Wegweiser guter Erfolg zu wünschen: Kommerziell, denn es geht um eine gute Sache, und inhaltlich, damit der Historische und der Neue Friedhof stets die Aufmerksamkeit erfahren, die ihrer Bedeutung zukommt.

Historischer und Neuer Friedhof in Weimar
Ein Wegweiser
Hg.: Grüne Wahlverwandtschaften e. V.
Arbeitskreis Friedhofskultur
Weimar, 2010
Text von Bernd Mende, Fotos von Jürgen Postel und Bernd Mende
Erhältlich u. a. in der Touristen-Information am Marktplatz zu Weimar
5,95 Euro

(Angaben ohne Gewähr)

Weiterführende Links:

Der Historische Friedhof um die Fürstengruft ist Teil unserer Akustischen Topographie …

Zum Grabmal von Johannes Daniel Falk in unserer Sammlung von Grabinschriften …

Wenige Kilometer von Weimar entfernt liegt ein weiterer historischer Friedhof, der einen Besuch lohnt: Unsere Broschüre Der Alte Friedhof von Buttstädt stellt einen ländlichen „Camposanto“ der Renaissance vor.

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